Häusliche und sexualisierte Gewalt in Treptow-Köpenick: Maßnahmen, Prävention und Unterstützung im Bezirk

In der Bezirksverordnetenversammlung Treptow-Köpenick stellte die Bezirksverordnete Jennifer Schrodt eine mündliche Anfrage an das Bezirksamt zum Umgang mit häuslicher und sexualisierter Gewalt im Bezirk. Für das Bezirksamt beantwortete Bezirksbürgermeister Oliver Igel die Fragen ausführlich und stellte aktuelle Zahlen, bestehende Unterstützungsangebote sowie Präventionsmaßnahmen vor.

Als SPD-Fraktion Treptow-Köpenick ist für uns klar: Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist ein ernstes gesellschaftliches Problem, dem Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft gemeinsam entgegentreten müssen. Die Ausführungen des Bezirksbürgermeisters zeigen, welche Maßnahmen bereits bestehen – aber auch, wo weiterhin Handlungsbedarf besteht.

Steigende Zahlen bei häuslicher Gewalt in Deutschland

Die aktuellen Zahlen verdeutlichen die Dringlichkeit des Themas. Laut dem BKA-Lagebild Häusliche Gewalt 2023 wurden bundesweit 256.276 Fälle häuslicher Gewalt registriert – ein Anstieg von 6,5 % gegenüber dem Vorjahr.

Besonders alarmierend ist, dass rund 80 % der Opfer Frauen sind. Gleichzeitig sind etwa 80 % der Tatverdächtigen Männer.

Noch drastischer wird die Situation bei den tödlichen Gewalttaten: 360 Frauen und Mädchen wurden 2023 in Deutschland getötet. Diese Zahlen machen deutlich, dass Gewalt gegen Frauen kein Randphänomen ist, sondern ein strukturelles gesellschaftliches Problem.

Situation in Treptow-Köpenick

Auch in Treptow-Köpenick wird häusliche Gewalt statistisch erfasst. Laut dem Monitor Gewaltdelinquenz 2023 lag der Bezirk bei 335 Fällen häuslicher Gewalt pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Damit liegt Treptow-Köpenick zwar unter dem Berliner Durchschnitt von 424 Fällen pro 100.000 Einwohner, dennoch gibt es innerhalb des Bezirks deutliche Unterschiede.

Besonders betroffen sind laut den vorliegenden Daten folgende Bezirksregionen:

  • Altstadt Köpenick
  • Altglienicke
  • Köllnische Vorstadt
  • Spindlersfeld
  • Niederschöneweide

Diese regionalen Unterschiede zeigen, dass Prävention und Unterstützung gezielt vor Ort ansetzen müssen.

Sexualisierte Gewalt: Hohe Dunkelziffer

Während zu häuslicher Gewalt bezirksspezifische Zahlen vorliegen, gibt es für sexualisierte Gewalt in Treptow-Köpenick derzeit keine gesonderte Statistik.

Die Polizeiliche Kriminalstatistik Berlin weist jedoch für das Jahr 2023 insgesamt 7.475 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung aus. Dabei zeigen sich deutliche Zuwächse:

  • Sexuelle Belästigung: +24,7 %
  • Sexuelle Übergriffe: +9,6 %

Auch hier ist die Täterstruktur eindeutig: 93,2 % der Tatverdächtigen sind Männer.

Besonders wichtig ist der Hinweis des Bezirksbürgermeisters auf das sogenannte Dunkelfeld. Studien zeigen, dass körperliche und psychische Gewalt bis zu zwanzigmal häufiger vorkommen können als angezeigt wird. Das bedeutet: Die tatsächliche Zahl der Betroffenen liegt vermutlich deutlich höher.

Unterstützungsangebote und Präventionsarbeit im Bezirk

Ein zentraler Teil der Antwort des Bezirksamtes war die Darstellung der bestehenden Hilfs- und Präventionsstrukturen in Treptow-Köpenick. Diese spielen eine entscheidende Rolle für Betroffene.

Beratung und Unterstützung im Frauenzentrum Treptow-Köpenick

Das Frauenzentrum Treptow-Köpenick bietet niedrigschwellige psychosoziale Beratung für Frauen an, die von Gewalt betroffen sind.

Neben Beratung stehen auch Empowerment-Angebote im Mittelpunkt. Ziel ist es, Frauen zu stärken, ihnen Orientierung zu geben und Wege aus Gewaltbeziehungen zu ermöglichen.

Präventionsprojekt „Mein Limit – mit dir auf Augenhöhe“

Ein weiteres wichtiges Projekt ist „Mein Limit – mit dir auf Augenhöhe“, das vom Bezirksamt finanziert wird.

Das Projekt richtet sich gezielt an Mädchen und junge Frauen und verfolgt präventive Ziele. Es soll frühzeitig über Grenzen, Selbstbestimmung und Schutz vor sexualisierter Gewalt aufklären und junge Menschen stärken.

Neue Fachberatungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt

Ein wichtiger Schritt für die Unterstützung Betroffener ist die Finanzierung einer Fachberatungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt, die ab diesem Jahr im Bezirk aufgebaut wird.

Diese Einrichtung soll:

  • betroffenen Frauen direkte Unterstützung bieten
  • Fachkräfte beraten
  • Hilfsangebote koordinieren

Die Einrichtung geht auf einen Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung aus dem vergangenen Jahr zurück.

Unterstützung für Alleinerziehende

Auch im Infopoint für Alleinerziehende zeigt sich, wie präsent das Thema Gewalt ist.

Laut den Beratungsstellen haben rund 80 % der Beratungsgespräche einen Bezug zu häuslicher Gewalt. Das zeigt, dass Gewalt häufig mit sozialen Belastungen und familiären Konflikten verbunden ist.

Der Runde Tisch Häusliche Gewalt Treptow-Köpenick

Seit 2022 trifft sich regelmäßig der Runde Tisch Häusliche Gewalt Treptow-Köpenick.

Ziel dieses Netzwerks ist es, Fachkräfte aus verschiedenen Bereichen zusammenzubringen, darunter:

  • Beratungsstellen
  • soziale Einrichtungen
  • Verwaltung
  • weitere Hilfsorganisationen

Durch die bessere Zusammenarbeit können Betroffene schneller und gezielter Unterstützung erhalten. Beratungsstellen berichten bereits, dass durch die engere Kooperation mehr Frauen den Schritt zu einer Anzeige wagen.

Sichtbares Zeichen gegen Gewalt: Die rote Bank am Luisenhain

Ein wichtiges öffentliches Symbol wurde im September 2024 am Luisenhain gesetzt: eine rote Bank als Zeichen gegen Gewalt an Frauen.

Die Bank trägt eine Plakette mit Notrufnummern und einem QR-Code, der direkt zu Hilfsangeboten führt. Solche sichtbaren Zeichen tragen dazu bei, das Thema im öffentlichen Raum präsent zu machen und Betroffenen niedrigschwellige Informationen anzubieten.

Sensibilisierung der Verwaltung

Auch innerhalb der Verwaltung wird das Thema stärker verankert.

So wurde im vergangenen Jahr eine Inhouse-Fortbildung zum Thema häusliche Gewalt und zur Istanbul-Konvention angeboten. Ziel ist es, Mitarbeitende des Bezirksamtes im Umgang mit Betroffenen zu sensibilisieren.

Diese Schulungen sollen künftig regelmäßig wiederholt werden.

Öffentlichkeitsarbeit im „Solidarischen November“

Ein weiterer Baustein der Präventionsarbeit sind Aktionen im Rahmen des Solidarischen Novembers, der jedes Jahr auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam macht.

Durch Veranstaltungen und Informationsangebote wird die Bevölkerung sensibilisiert und über Unterstützungsangebote informiert.

Politische Einordnung der SPD-Fraktion Treptow-Köpenick

Die Maßnahmen im Bezirk zeigen: Treptow-Köpenick verfügt über ein breites Netz an Präventions- und Unterstützungsangeboten. Diese leisten einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen häusliche und sexualisierte Gewalt.

Gleichzeitig wurde in der Antwort des Bezirksbürgermeisters deutlich, dass die Versorgung von gewaltbetroffenen Frauen und Mädchen insbesondere in Außenbezirken noch nicht ausreichend ist. Hier besteht weiterhin Handlungsbedarf.

Als SPD-Fraktion Treptow-Köpenick setzen wir uns deshalb dafür ein,

  • Präventionsangebote weiter auszubauen,
  • Beratungsstellen dauerhaft zu stärken,
  • Netzwerke zwischen Einrichtungen zu verbessern
  • und Betroffenen schneller Hilfe zu ermöglichen.

Gewalt gegen Frauen ist keine private Angelegenheit – sie ist eine gesellschaftliche Aufgabe. Deshalb bleibt es unser politisches Ziel, Treptow-Köpenick zu einem noch sichereren Bezirk für Frauen und Mädchen zu machen.

Für Rückfragen oder Anregungen schreiben Sie uns unter buero@spd-fraktion-tk.de.